Test: Festool Precisio CS50

Zwei Jahre lang war ich Besitzer einer Festool Precisio CS50 Tischzugsäge. In der Zeit hatte ich jede Menge Gelegenheit die guten und weniger guten Eigenschaften kennenzulernen.

CS50 mit Tischverbreiterung

CS50 mit Tischverbreiterung und Längsanschlag

Die guten Seiten

Fangen wir mit dem Positiven an. Das Beste an der Festool-Säge war der Kundenservice. Das meine ich völlig ohne Ironie. Ich hatte mit der ersten Säge, die ich gekauft hatte, Probleme zu denen ich später noch komme. Der Kundendienst bei Festool verdient sich aus meiner Sicht die Bestnote. Ich hatte einen gleichbleibenden Sachbearbeiter, der sich durch Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Engagement ausgezeichnet hat. Dabei war der Kundendienst gleichermaßen schnell und zuverlässig über Telefon wie über E-Mail erreichbar.

Das Glanzstück der Säge selbst ist die Zugfunktion. Sie erlaubt es, das Sägeblatt statt des Werkstücks zu bewegen, was gerade Querschnitte bei größeren Werkstücken deutlich sicherer und bequemer macht.

Auch der Sägeblattwechsel verdient eine besondere Erwähnung. Eine clevere Kombination aus abnehmbarer Tischoberfläche links vom Sägeblatt, aufklappbarem Sägeträger und die Tatsache, dass sich die Mutter, die das Blatt an Ort und Stelle hält, ohne Werkzeug öffnen lässt, sorgen dafür, dass der Sägeblattwechsel bequem genug ist um ihn regelmäßig zu machen.

Die Staubabsaugung gehört auch zu den traditionellen Stärken der Festool-Sägen. Der Sägeträger ist gut gekapselt, was dafür sorgt, dass die Saugleistung tatsächlich am Blatt ankommt.

Queranschlag der CS50

Der massive Queranschlag biete Rastungen für die häufigsten Winkel

Der Queranschlag ist massiv ausgeführt und hat eine gute Winkelpositionierung mit Rastungen bei den am häufigsten benötigten Winkeln. Die Rastung lässt sich wie fast alles andere an der Maschine auch nachträglich justieren.

Die Anschlagleiste lässt sich je nach Bedarf verschieben, nachdem man die Kaufschraube in der Mitte der Winkelplatte öffnet.

Bei der Materialauswahl und Verarbeitung verspricht und hält die CS50 ein hohes Niveau.

Der Grundkörper der Säge hat ein Gewicht, dass sich noch gut tragen lässt. Ein entscheidendes Kriterium für diejenigen, die die Säge regelmäßig an unterschiedlichen Orten einsetzen müssen.

Als sinnvolles Zubehör gibt es eine Tischverbreiterung. Ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass die Säge auf Grund ihrer kleinen Abmessungen ohne die Verbreiterung für die meisten Sägeprobleme nahezu nutzlos ist. Ich empfehle daher, die Verbreiterung beim Kauf gleich mit einzuplanen.

Auch der seitlich montierbare Schlitten ist nützlich.

Die schlechten Seiten

Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, dass ich am Anfang des Artikels geschrieben habe, ich “hatte” die Säge. Obwohl es viele ausgezeichnete Details an der Säge gibt, hat sie doch ihre Schattenseiten. Die brachten mich am Ende dazu, die Säge zu verkaufen und mir eine anderes Modell zuzulegen.

Im Folgenden liste ich die weniger erfreulichen Eigenschaften auf und erkläre, welche Auswirkungen sie auf das Sägeergebnis haben.

Tischoberfläche gibt zu stark nach

Die phänomenal praktische Zugfunktion bringt konstruktive Einschränkungen mit sich, die mich mit der Zeit wünschen ließen, die Säge hätte keine Zugfunktion. Um möglichst wenig Sägekapazität zu verlieren (also wie tief man sägen kann) hat Festool die Tischoberfläche aus vergleichsweise dünnem Alublech gemacht. Das führt dazu, dass sie ein wenig nachgibt, wenn die Säge in der Mitte des Tisches belastet wird. Damit ist die Oberfläche nicht mehr plan, sondern kippt leicht zum Blatt hin. Das hat mir regelmäßig Schnitte beschert, die nicht exakt im Winkel waren.

Kein echter Nullspieleinsatz

Es gibt zwar einen Plastikeinschub, der als Verbrauchsmaterial ausgelegt ist und den Ausriss beim Sägen erstaunlich gut reduziert. Allerdings ist dank der Zugfunktion kein echter Nullspieleinsatz verfügbar. Das heißt, dass der Schlitz rund um das Sägeblatt immer offen ist. Dünn geschnittene Streifen — wie man sie zum Beispiel für das Flicken von Spalten manchmal braucht — fallen hinein.

Zusätzlich ist der Schlitz auf der rechten Seite einem Winkel, der dafür sorgt, dass schmale Leisten beim Sägen am Parallelanschlag zum Blatt hin kippen. Das beginnt schon bei ca. 2 cm.

Zu kleine Tischnuten

Auf einer Tischkreissäge erwarte ich oben zwei zum Sägeblatt parallele Nuten um selbst gebaute Vorrichtungen und Schlitten darin zu führen.

T-Nut auf der CS50

Die T-Nut ist für die Aufnahme von Zwingen gedacht

Die CS50 hat zwei T-Nuten, die aber von den Konstrukteuren für die kleinen Festtool-Zwingen entworfen wurden. Es gibt auch Andruckkämme, die passen.

Die Nuten sind daher nur wenige Millimeter breit. Die Läufer von Schlitten fallen deutlich weniger massiv aus als, ich sie gerne hätte.

Immerhin waren bei meiner CS50 die Nuten perfekt parallel zum Sägeblatt.

Die große Schwester der CS50, die CS70 hat übrigens nur auf einer Seite überhaupt eine Nut und war damit für mich als Kaufkandidat von vorne herein ausgeschlossen.

Ausgeschlossen war für mich auch der Kauf der Tischverlängerung. Die hat überhaupt keine Nuten und hätte damit die Einsatzmöglichkeiten von Schlitten zu Nichte gemacht.

Umständliche Verbreiterung

Die Tischverbreiterung anzubringen und zur Tischoberfläche plan zu bekommen war ein elendes Geduldspiel. Zwar gibt es viele Justiermöglichkeiten, sie beeinflussen sich aber leider gegenseitig. Zieht man die Knaufschrauben an, die die Spangen zwischen Säge und Verbreiterung halten, dann bewegt sich die Verbreiterung in zwei Richtungen gleichzeitig.

Hinzu kam bei mir, dass die zwei Teile aus denen die Oberfläche der Verbreiterung zusammengesetzt sind sich lange hartnäckig den Versuchen widersetzten, sie exakt an einander auszurichten.

Wenn man die Verbreiterung korrekt eingestellt hat, kann ich nur davon abraten, sie für den Transport abzumontieren. Danach stimmen die Einstellungen nicht mehr so exakt wie es notwendig wäre.

Inkompatibilität zu Drittherstellern

Festool-Nutzer kennen den Hang des Herstellers zu Drittherstellern inkompatibel zu sein. Das ist Teil der Geschäftsstrategie und damit kein Zufall.

Am schmerzlichsten fällt das beim Verbrauchsmaterial auf. Das ist bei einer Säge nun mal in erster Linie das Sägeblatt. Und da sieht es mit Auswahl von Fremdherstellern dank der sternförmigen Wellendurchführung ziemlich finster aus.

Die Fehlkonstruktion

Das schlimmste an der Säge war jedoch der Längsanschlag. In der Theorie sollte sich der automatisch rechtwinklig zur Aufnahmenut ausrichten sobald man den Knauf vorne festzieht. Ich hatte zwei Längsanschläge, von denen keiner dieses “Kunststück” beherrscht hätte. Eine mehr zutreffende Produktbezeichnung wäre also “Annähernd-Längsanschlag”.

Längsanschlag ausrichten

Da sich der Längsanschlag nicht selbst ausrichtet, musste ich mit einem Schlosserwinkel nachhelfen

 

Stattdessen musste ich mir jedes Mal mit einem Schlosserwinkel auf der Rückseite der Säge behelfen. Damit wurden alle Einstellungen zu Geduldspiel.

Schuld daran ist aus meiner Sicht zum einen die proprietäre V-Nut, die nicht optimal ist um darauf rechtwinklig Kraft auszuüben, und der zu kurze Querklotz unten am Längsanschlag.

Der Längsanschlag besitzt auch noch eine “Feineinstellung”, die bestenfalls dekorativen Zwecken dient. Abgesehen vom Gegenlaufspiel wird die Feineinstellung auch dadurch nutzlos, dass sie ganz am vorderen Ende des Anschlags Kraft ausübt. Bei dem langen Hebel der sich daraus bis zum hinteren Ende des Anschlags ergibt, muss sich der Anschlag zwangsläufig schief stellen.

Fazit

Die Precisio CS50 ist eine gut verarbeitete Tischzugsäge mit vorbildlicher Staubführung. Sie eignet sich gut für Querschnitte, ist für Längsschnitte auf Grund des fehlentwickelten Längsanschlags jedoch praktisch unbrauchbar.

6 thoughts on “Test: Festool Precisio CS50

  1. Vielen Dank für den detaillierten und sehr aufschlussreichen Test. Ich habe das etwas stabilere Vorgängermodell. Da gab es keinen Längsanschlag, dafür hatte der Winkelanschlag eine präzisere Führung. Das Gefrickel mit dem Schiebetisch kann ich nur bestätigen, ich benutze ihn deshalb kaum. Die ungeeigneten Nuten habe ich mit einem Schiebeschlitten mit am Tischrand platzierten Schienen neutralisiert. Tischverbreitungen musste ich deshalb auch selbst bauen. Ich blicke immer neidvoll über den Atlantik, wo es anscheinend viele massive Tischkreissägen zu vernünftigen Preisen gibt.
    Mich würde noch interessieren, welches Modell denn der Nachfolger geworden ist?

    • Ja, in den Staaten scheinen massive Tischkreissägen häufiger und günstiger vertreten zu sein als bei uns. Thomas (der andere Holzwurm hier) mutmaßt, dass das daran liegt, dass viele Häuser zum größten Teil aus Holz sind. Dadurch ist die Motivation für’s Holzwerken scheinbar größer damit ist auch der Markt größer und die Maschinen können günstiger verkauft werden.

      Zu Deiner Frage: der Nachfolger meiner verkauften CS50 ist eine Bosch GTS 10 XC mit der ich bisher höchst zufrieden bin. Einen Artikel darüber werde ich in Kürze schreiben. Sie hat aus meiner Sicht nur zwei wirkliche Schwachpunkte: den von oben nicht sichtbaren Ausschalter (das halte ich sogar für eine Sicherheitproblem) und die eher mäßige Staubführung. In beiden Punkten weine ich meiner CS 50 eine kleine Träne nach.

  2. Hallo danke für den tollen ausführlichen Test der Unterflugzugsäge von Festtool. Ich bin gerade noch am Schwanken zw. Festool und Mafell. Wobei ich gelesen habe die Mafell ist weitaus kompatibler was Sägeblätter und Co angeht.
    Hast du Erfahrungen mit der Erika 60 oder 70? Wenn ja würde mich dein Urteil gerade in Hinblick zur Staubabsaugung interessieren.

    • Hallo Tom,

      ich kann leider nur zur Festool CS 50 und zur Bosch GTS 10 XC Auskunft geben. Als Privatmensch bekommt man naturgemäß nur die Chance wenige Tischkreissägen zu benutzen. Die Erika war damals auch auf der Liste meiner möglichen Kandidaten bevor ich meine Festool gekauft habe. Für die Festool sprach für mich damals in erster Linie, dass ich bereits kompatibles Zubehör von anderen Maschinen hatte. Rückblickend hätte das keine Rolle gespielt, weil ich danach auf die Bosch gewechselt habe.

      Den Schiebeschlitten der CS 50 habe ich behalten, den fand ich unglaublich nützlich. Wenn ich mal viel Zeit habe, dann baue ich einen Adapter für meine Bosch. Ich habe auch schon einen großartigen Artikelnamen dafür im Kopf.

      Viel Erfolg bei der Auswahl der Säge. So etwas fällt in die Kategorie “Investition” und will gut überlegt sein. Lass uns doch wissen, was es am Ende geworden ist und welche Kriterien ausschlaggebend waren. Das interessiert auch andere Leser.

      Schönen Gruß,
      Sebastian

  3. Herzlichen Dank für die ausführlichen Erfahrungsberichte. Auch ich hadere mit der Anschaffung einer CS50 auf Grund der Inkompatibilität bei den Sägeblättern (k.o.-Kriterium), des labielen Aluprofiles am Queranschlag und den einfachen T-Nuten im Tisch. Den Schiebeschlitten habe ich mir angesehen und halte den Preis auch neu für eine gute Möglichkeit ihn an eine andere Säge anzupassen (max. Schnittlänge im Kappschnitt 830mm). Evtl. sogar den Schiebeschlitten der CS70, der hat leider nur eine max. Schnittlänge im Kappschnitt von 650mm. Bei einem Eigenumbau müsste sich der Schlitten so anbauen lassen, dass eine Platte mit T-Nuten (auf dem Schiebeschlittentisch montiert) parallel zum Sägetisch läuft. Würde mich über ein Foto und Kurzbericht zur Anpassung an die GTS 10 XC freuen.
    Selber denke ich über eine Metabo TS254 nach, möchte sie aber vorher mal testen.
    Schöne Grüße
    Andreas

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