Grundausstattung Handwerkzeuge – Holzwerken für Anfänger – Teil 2

Im zweiten Teil der Serie “Holzwerken für Anfänger” beschäftigen wir uns mit der Grundausstattung Handwerkzeuge, die man für einen Einstieg braucht. Handwerkzeuge sind die richtige Wahl, wenn man sehr geschickte Hände hat, Ruhe beim Arbeiten genießen will und mit möglichst wenig Anfangsinvestition starten will.

Das Minimum an Werkeugen

Im Bild unten sind die aus meiner Sicht wichtigsten Werkzeuge abgebildet.

Grundausstattung Handwerkzeuge

Grundausstattung Handwerkzeuge


Säge

Als erste Säge würde ich eine Rückensäge für Schnitte quer zur Maserung empfehlen — vorzugsweise eine, die sich nachschärfen lässt. Die passende Sägefeile zum Schärfen kauft man am besten gleich dazu.

Schreinern mit stumpfen Handwerkzeugen hat nur ein mögliches Ergebnis: Frust.

Warum gerade so eine Rückensäge? Rückensägen eignen sich gut für die meisten Verbindungstechniken, sind vergleichsweise einfach zu führen und verzeihen es auch mal, wenn man als Anfänger so sägt, dass sich das Blatt leicht verwindet.

Von Japansägen rate ich für den Anfang klar ab. Die sägen zwar phänomenal gut, wenn man sie ganz gerade führt, vertragen Verwindung aber dank des dünnen Blatts überhaupt nicht.

Außerdem sind schon seit Langem in Europa Rückensägen typisch. Daher bekommt man sie oft auf dem Flohmarkt für eine Hand voll Euro. Die Sägefeile haben wir ja bereits beschafft und mit Hilfe der zahlreichen verfügbaren YouTube-Videos zum Thema ist das Erbstück auch schnell geschärft.

Große Teile empfehle ich für den Anfang im Holzzuschnitt beim Baumarkt oder im Holzfachhandel auf Maß schneiden zu lassen.

Feilen und Raspel

Für den Start reichen eine große Flachfeile und eine Holzraspel. Die Flachfeile sollte nicht zu fein und nicht zu grob sein. “Hieb 2” ist ein guter Startkompromiss.

Den Umgang mit der Feile lernt man mit etwas Geschick recht schnell. Die Raspel ist etwas schwerer zu erlernen, weil man mit ihr bei falscher Handhabung schnell Ausriss am Werkstück erzeugt. Entscheidend zur Vermeidung von Ausriss ist wie man die Feile zur Maserung stellt. In einigen Fällen muss man ein Opferstück beispannen.

Holzbohrer

Ein Set Holzbohrer von 3 bis 10 Millimeter Durchmesser und 1 Millimeter Abstufung enthält genug für die meisten Anfängerprojekte. Ich empfehle ausdrücklich Holzbohrer, da die Zentrierspitze die Handhabung massiv erleichtert.

Damit kommen wir zum einzigen Teil, der meiner Meinung nach auch in einem Handwerkzeugset elektrisch sein muss: der Bohrmaschine. Handbohrer sehen zwar lustig aus, allerdings ist es eine echte Kunst, gleichzeitig zu kurbeln und gerade zu bohren. Außerdem dauert es lange und die niedrigen Drehzahlen passen schlecht zu den günstigen Bohrersätzen.

Der beste Kompromiss zwischen Investition, Flexibilität und Verfügbarkeit ist eine Bohrer- Schrauberkombi mit Kabel. Es gibt keine Akkus die kaputt gehen können, die Maschine ist immer einsatzbereit, wenn man sie braucht und hat genügend Kraft. Allerdings gibt es leider nur ganz wenig Auswahl bei diesem Typ und die Bohrerdrehzahlen sind eher niedrig.

Mess- und Markierwerkzeug

Ein Rollmaß ist aus meiner Sicht das perfekte Werkzeug für das Messen langer Werkstücke. Schnell, genau und einfach zu handhaben. Außerdem lassen sich mit einem guten Rollmaß auch Innenmaße leicht messen.

Wenn es noch genauer sein muss, hilft ein Stahlmaßstab. Der dient zusätzlich noch als Lineal um anzeichnen und anreißen. 50 cm sind für die meisten Aufgaben ideal.

Ein rechter Winkel hilft beim Anzeichnen und beim Ausrichten von Teilen des Werkstücks beim Verbinden. Auch wenn es dedizierte Schreinerwinkel gibt, gehört mein Herz den Schlosserwinkeln. Sind leichter anzulegen und stehen besser hochkant. Außerdem sind sie robuster. Dafür fehlt ihnen der eingebaute Maßstab.

Bleistift und Spitzer finden sich in fast jedem Haushalt. Es empfiehlt sich ein bisschen mit der Härte des Stifts zu experimentieren. Der perfekte Bleistift lässt sich scharf anspitzen, zieht gut sichtbare Linien, drückt sich nicht allzu sehr ins Holz und lässt sich auf Holz mit wenig Aufwand abschleifen. Bei sehr dunklen Holzsorten kann ein heller Buntstift besser sein.

Nicht abgebildet aber sehr nützlich ist auch ein kleines Messer zum Anreißen. Für den Anfang tut’s ein Messer mit Abbrechklingen.

Zu den ausgefallenen Werkzeugen gehört in meiner Aufstellung das Streichmaß. Ich empfehle ein rundes Streichmaß, wie sie in Übersee typisch sind. Diese sind deutlich leichter in der Handhabung. Leider sind die auch nicht ganz billig und bei uns so neu, dass hier Flohmarktschnäppchen praktisch ausgeschlossen sind.

Schraubendreher

Schonungslos ausgedrückt braucht man am für den Start genau einen Schraubendreher: einen Kreuzschlitz-Schraubendreher PZ2 (mittlere Größe der “Pozidriv” genannten Spitze).

Damit hat man 80% aller Holzschrauben aus dem Baumarkt abgedeckt – sofern man nicht aus Versehen eine Packung mit Torx-Kopf (sieht aus wie ein Stern) kauft.

Für sehr kleine Schrauben braucht man auch schon mal einen PZ1, für sehr große PZ3.

Allerdings werden Torx immer beliebter. Und das zu Recht, da die Abrutschgefahr bei hohem Kraftaufwand deutlich geringer ist.

Schlitzschrauben sind dagegen mittlerweile eher ein Kuriosum.

Stecheisen und Schonhammer

Mindestens zwei Stecheisen sollte man besitzen. Eines mit ca. 4-5 mm für feine Arbeiten wie Schlitze und eines mit 10 – 15 mm für den Rest.

Auch Stecheisen kann man mit etwas Glück auf dem Flohmarkt erstehen. Mit einer Schleifhilfe lassen sie sich leicht auf Vordermann bringen.

Ein Schonhammer ist eine gute Wahl um die Stecheisen zu treiben. Wenn man einen mit einer eher harten und einer weichen Kunststoffseite nimmt, dann hat man gleich auch noch ein Werkzeug, dass bei kleineren Possitionierungsaufgaben nachhelfen kann.

Traditionell verwendet man große Holzklüpfel, die sind aber teuer und mir persönlich zu unhandlich.

Wasserstein und Schleifhilfe

Genau wie bei der Säge gilt: nur scharfe Stecheisen sind nützlich. Daher am Besten gleich zu den Stecheisen einen Wasserstein und eine Schleifhilfe kaufen. Eine Kombination mit 240er Körnung auf einer Seite und 800er sorgt für ausreichend Schärfe mit vertretbarem Aufwand und Investition.

Wem der Wasserstein zu teuer ist, der kann auch mit Wasserschleiffließ auf einer glatten ebenen Unterlage beginnen. Trotz niedriger Anfangsinvestition ist das langfristig aber definitiv teurer, weil sich der Wasserstein abziehen lässt und damit viele Male verwendet werden kann, während ein stumpfes Schleiffließ weggeworfen werden muss.

Die Schleifhilfe und YouTube-Videos machen das Schleifen fast zum Kinderspiel.

Hammer

Ich habe mit mir gerungen, ob ich einen normalen Hammer auflisten soll. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Nägel verwendet hätte. Aber man braucht den Hammer auch um Dübel einzutreiben.

Niemals darf man ohne Beilage direkt mit einem Metalhammer auf Holzwerkstücke schlagen. Das hinterlässt immer hässliche Dellen.

Fazit

Man braucht nicht allzu viele Handwerkzeuge für den Start ins Holzwerken – nicht mehr als in eine Schublade passt. Vieles kann man auf dem Flohmarkt ergattern – vorausgesetzt man ist bereit, das Werkzeug instand zu setzen.

Fehlt zum Glück nur noch ein gutes Buch mit Übungsprojekten mit steigendem Schwierigkeitsgrad.

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