Staubsaugerzyklon aus Abflussrohren im Eigenbau

Staubsaugerzyklon für wenig Geld

Staubbeutel und Filter sind teuer. Wer Geld sparen will und ein wenig handwerkliches Geschick mitbringt, kann sich aus Holzresten und Plastikteilen aus dem Baumarkt einen Zyklonvorsatz für den Werkstattsauger bauen.

Projektsteckbrief - Zkylon aus Abflussrohren

MaterialMDF,
PP-Abflussrohr
Rohre (Nennmaß x L)HT100 x 220, gerade
HT100 auf 50, trichterförmig
AuffangeimerKunststoff, transparent
(hohe Wandstärke)

Man braucht einen Eimer (im Beispiel 10 Liter). Ein durchsichtiger Eimer verrät von außen, wann man ihn leeren muss. Für die reine Funktion tut es aber auch ein normaler Eimer. Allerdings hat sich der abgebildete Eimer für den harten Werkstatteinsatz als zu zerbrechlich erwiesen. Ich empfehle mittlerweile sehr genau darauf zu achten einen sehr stabilen zu kaufen.

Der Zyklon selbst besteht aus zwei Standardplastikrohren aus dem Baumarkt. Eines davon ist trichterförmig und leitet die Späne in den Fangeimer.

Bauteile für den Zyklon

Bauteile für den Zyklon

Den Deckel habe ich mir dem Fräszirkel rund gefräst. Er steht ein Stück über, damit man ihn leicht anfassen kann um ihn abzuziehen. Ein Falz, ebenfalls mit dem Fräszirkel erzeugt, passt exakt in den Eimer hinein. Das ist dicht genug. Oben sitzt noch eine kleine Platte auf, die den Zyklon am Wackeln hindert. Deckel und Platte werden mit einer Lochsäge durchbohrt, so dass das schmale zylindrische Ende des Trichters stramm sitzt.

Deckel für den Fangbehälter

Der Deckel für den Fangbehälter hat einen gefrästen Falz und ist eine Presspassung auf den Eimer.

Das Abflussrohr, das als Zyklon dient bekommt einen ähnlichen Deckel. Das Loch in der Mitte muss zum Schlauch zum Staubsauger passen.

Deckel für den Zyklon

Der Deckel für den Zyklon dient auch als Anschluss zum Staubsauger hin.

So sieht das ganze zusammengebaut aus. Hier sieht man das am schwierigsten herzustellende Teil: den Anschluss für den Saugschlauch (nach vorne). Oben steckt der Schlauch zum Staubsauger. Das Loch in den Zyklon habe ich hier noch nicht geschnitten.

Der Zyklon auf dem Eimer

Der Zyklon thront hier auf der Deckplatte des Eimers. Vorne ist noch kein Schlauch angeschlossen.

Der Klotz für den Ansaugstutzen ist ein Sandwich aus drei 19 mm MDF Brettern. Die Bohrung muss natürlich zum Schlauchanschluss passen. Bei mir waren das wie bei den meisten Werkstattsaugern 35 mm im Durchmesser. Den Klotz dimensioniert man so, dass das Loch im Ansaugstutzen von oben betrachtet tangential in die Innenwand des Abflussrohr übergeht. Das ergibt die optimale Strömung.

Damit der Ansaugstutzen auf das vertikale Abflussrohr passt, überträgt man den Außenbogen mit einem Stift auf den Klotz und schneidet innerhalb der Markierung grob mit Stich- oder Bandsäge und. Das letzte bisschen Passung bekommt man, wenn man das Rohr mit Schleifpapier umwickelt und den Klotz daran schleift.

Den Klotz habe ich mit Kunstoffkleber fixiert. Beim Kleber muss man sehr genau darauf achten, dass er auch wirklich am Rohr klebt — was beim typischen Propyläen (kurz “PP”) nicht selbstverständlich ist. Zusätzlich habe ich kleine Senkkopfschrauben von innen angebracht.

Zuletzt muss man das Loch im Ansaugstutzen durch das Abflussrohr schneiden und den entstehenden Grat entfernen.

Geräuschentwicklung

Mein Staubsauger alleine kommt in der kleinen Werkstatt mit den ungedämmten Wänden auf 73 dB — gemessen auf ein Meter Entfernung. Allerdings bekam ich fast einen Hörsturz als ich den Staubsauger das erste Mal mit Zyklon laufen lies.

100 dB auf Schalldruck mit falschen Schlauch

Wenn der falsche Schlauch am Zklyon hängt, dann bring er es auf satte 100 dB.

Das Bild links zeigt die Schalldruckmessung bei einem Meter Abstand. Stattliche 100 dB — das ist als stünde man in der Diskothek direkt neben einem Lautsprecher. Zuerst dachte ich, dass der Zyklon eine Fehlkonstruktion ist.

Thomas hat freundlicherweise sehr eindrucksvoll demonstriert, dass der verwendete Plastikschlauch schuld war, nicht der Zyklon. Bei dem Schlauch handelte es sich um einen einfachen geriffelten Plastikschlauch mit einem Anschlussdurchmesser von 35 mm. Dass der akustisch die falsche Wahl war merkt man sofort, wenn man ihn einfach mal in die Hand nimmt und herumwirbelt. Dabei entsteht bereits ein beachtlicher Lärm. Am Staubsauger ist der Lärm ohrenbetäubend.

Außerdem bleibt in diesem Schlauch sehr leicht langspaniger Abfall hängen. Er taugt also eher um einen Teich damit leer zu pumpen als für einen Staubsauger.

Entweder muss ich bei eBay oder auf einem Schrottplatz einen echten Staubsaugerschlauch ergattern und dann noch einmal messen.

Der fast fertige Zyklon — hier noch mit falschem Schlauch

Der ganze Zyklon sieht aus wie in dem Bild unten. Die Staubseparation funktioniert einwandfrei. Nur der Eimer ist ein bisschen zu labil. Wenn man den Schlauch vorne zuhält, dann wird man mit einem Knall und einem verformten Eimer belohnt. Ich schätze, ich muss meinem Eimer ein Innenskelett spendieren.

Staubsaugerzyklon mit lautem Schlauch

Dank des geriffelten Schlauchs kommt der Zyklon auf satte 100 dB

Nachdem der Eimer sich bei Unterdruck verformte uns schließlich zerbrach habe ich auf einen stabileren aufgerüstet. Ein Metalleimer von einem bekannten schwedischen Einrichtungshaus hält dem Unterdruck  problemlos stand.

Zyklon mit Metalleimer

Der Metalleimer widersteht locker auch dem Unterdruck wenn der Schlauch verstopft ist.

Mittlerweile steht der komplette Aufbau als Turm oben auf meinem Werkstattsauger und ist damit deutlich mobiler.

Der Zyklon trohnt auf dem Staubsauger

Eine Sperrholzplatte wird von den Klammern am Staubsauger gehalten und trägt den Zyklon.

13 thoughts on “Staubsaugerzyklon aus Abflussrohren im Eigenbau

  1. Hallo, es wäre gut, wenn Maße für die Rohre (DN 100 oder 125) sowie die Länge des geraden Stückes angegeben wären. Auch die Bemaßung für den Saugeingang fehlt.

  2. Was für einen Schlauch soll man nehmen?
    Wo kann ich ihn erwerben?
    Wie lang darf er maximal sein.

    • Hallo Fritz,

      sorry für die späte Antwort. Wie der Name der Seite schon verrät, muss ich dem Leben die Zeit für’s Schreinerhobby abtrotzen.

      Was für einen Schlauch soll man nehmen?

      Ich empfehle, die Auswahl des Schlauchs passend zu den Maschinen die man bereits besitzt. In meinem Fall waren das Festool- und Bosch-Werkzeuge, die alle zu der Standardgummimuffe mit 35mm Durchmesser der Festool-Schläuche passen. Ich habe im Zubehörhandel einen Schlauch und eine Ersatzmuffe gekauft. D.h. der Schlauch hat jetzt auf beiden Seiten eine Gummimuffe. Wichtig ist, dass der Schlauch innen glatt ist, sonst wird es wie im Artikel beschrieben sehr laut.

      Wo kann ich ihn erwerben?

      Ich habe meinen online bei einem Laden bestellt, der Festool führt. Passt an meine Maschinen, ist aber unverschämt teuer. Günstiger wäre ein Schlauch von einem Dritthersteller oder einer aus einem ausgeschlachteten Staubsauger vom Wertstoffhof. Stufige Gummimanschetten, die beinahe überall passen gibt es bei Ebay zu kaufen.

      Wie lang darf er maximal sein.

      Der Schlauch, den ich an den Zyklon anschließe hat 3,5 Meter. Am Staubsauger ist einer mit der gleichen Länge fest angebracht. Das funktioniert bei mir. Allerdings ist der Schlauch vom Sauger zum Zyklon sinnlos lang. Wer den Zyklon fest mit dem Staubsauger verbindet, hält die Verbindung möglichst kurz.

      Schöne Grüße,
      Sebastian

  3. Hallo,
    ich habe lange nach einer nicht so aufwändigen und preiswerten Nachbaumethode eines Zyklonsaugers gesucht und diese hier gefunden. Letzte Woche bin ich das Projekt angegangen und habe ein paar Anmerkungen dazu. Da ja meistens eine Blechtonne als Auffangbehälter empfohlen wird, habe ich diese auch gleich genommen und es nicht mit einem Eimer versucht. Den Zyklon habe ich genau so gebaut, allerdings habe ich einen Muffenstopfen als Deckel oben drauf gesteckt und innen eine runde OSB-Scheibe geklebt, wo dann ein 40-mm-Rohr drinsteckt, das den Schlauch vom Sauger aufnimmt. Das ist sehr dicht und kostet kaum mehr. Als Sauger dient ein Kärcher Nass-/Trockensauger mit 1000 W. Mein erster Versuch ergab einen Wirkungsgrad von ca. 50 %, womit ich nicht zufrieden war. Ich habe dann ein bisschen herum experimentiert und das 40er Rohr mal tiefer und weniger tief hineingesteckt ohne messbaren Erfolg. Die Hälfte der Späne landete immer im Sauger. Aufgrund von Internet-Recherchen habe ich dann mal das Reduzierstück weggelassen, weil der Trichtereffekt damit m. E. nicht richtig erreicht wird und das “Sauggut” dann dort liegen bleibt, nicht in der Tonne landet, verstopft und somit letztendlich doch eingesaugt wird.
    Ohne Reduzierstück (also gerader Zyklon) landen nun 97 % der Späne in der Tonne und ich bin zufrieden.

    Viel Freude beim Nachbau und Holzwerken

    Martin

    • Hallo Martin,

      freut mich immer, wenn ich jemanden zum Selbstbau animieren kann. Die Idee mit dem Stopfen finde ich sehr praktisch – dann kann man sich die Präzisionsfräsung sparen. Mit meinem Staubsauger hatte ich keine Probleme mit der Leistung. Der Trichter verstopft eher bei langen Spänen (z.B. Hobelspänen). Bei Säge- und Schleifstaub hatte ich nie Probleme.

      Schönen Gruß,
      Sebastian

  4. Noch ein Nachtrag: Ich habe noch überlegt, welchen Schlauch ich dann zum Saugen nehme, weil der Kärcher-Schlauch ja schon in den Zyklon geht. Ich habe mich nach einigen Überlegungen für einen Universal-Staubsaugerschlauch mit 2 konischen Enden entschieden. Meine Anlage ist fest verbaut (kein Rollwagen) und diesen Schlauch kann man von ca. 1,20 m auf fast 7 m (die ich nicht brauche) ausziehen und es funktioniert wirklich. Der Schlauch ist zwar schwerer, weil da eine Metallspirale drin ist, daher muss man für ein paar Aufhängungen sorgen, sonst hängt er arg durch. Aber ich komme durch umstecken prima an alle meine Maschinen dran und kann mit den festen Rohren und Fuß des Kärcher-Saugers noch prima die Werkstatt aussaugen.

    So, das war jetzt alles

    Gruß, Martin

    • Ja, Universalschlauch hat Charme. Ist vermutlich auch günstiger als die der Spezialhersteller. Ich liebäugle ja mit einem Rohrsystem. Das müsste man dann aber erden. Man hört schlimme Dinge über die Kombination aus Schleifstaub und Elektrostatik.

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