Test: Wolfcraft Undercover Jig

Taschenlöcher sind eine simple Art Holzverbindung. Wolfcraft bietet das Undercover Jig um Taschenlöcher zu bohren. Wie schlägt es sich im Einsatz?

Das Set besteht aus dem Undercover Jig, ein paar Schrauben (so wenige, dass sie gerade dafür taugen mit dem Jig zu experimentieren), ein überlanges Pozidriv-PZ2-Kreuzschlitzbit, Dübeln zum Stopfen der Löcher hinterher. Und dem Stufenbohrer — dem heimlichen Star des Sets. Der Bohrer macht die Nutzung erst bequem. Dazu gibt’s noch einen Ring als Tiefenanschlag und einen Inbusschlüssel um den Anschlag fest zu ziehen.

Verbindungen mit Taschenlöchern

Taschenlöcher mit Montagehilfe

Eine rechtwinklige Montagehilfe auf der Werkbank hilft beim Einrichten.

Mit dem Undercover Jig lassen sich Taschenlöcher für Eck- und T-Verbindungen herstellen. Die Idee an Taschenlöchern ist, dass man sie dort einsetzt, wo man die Schrauben nicht sieht. Das wäre an einer der drei Lieblingsseiten aller Hobbyschreiner: innen, unten und hinten. Allerdings muss man gerade bei Eckverbindungen innen mit den Undercover Jig achtsam sein, ich komme gleich noch dazu, warum.

Im Bild links sieht man die Anwendung. Am Rande bemerkt: eine einfache rechtwinklige Montagehilfe ist für alle Eckverbindungen empfehlenswert.

Anleitung

Schwacher Druck im Handbuch des Undercover Jig

Der Druck des Handbuch ist so schwach, dass man die Bilder schlecht erkennt.

Für die Anleitung gibt es gleich mehrfach Abzüge in der B-Note. Erstens war sie unter dem Formplastik in der Verpackung versteckt. Zweitens ist der Druck schlecht. Die Bilder sind schwer erkennbar. Drittens ist sie zu knapp geraten.

Immerhin ist sie in sehr vielen Sprachen gehalten.

Einstellen

Einstellen für Eckverbindungen

Bei Eckverbindungen hängt die Einstellung davon ab, ob die Taschenlöcher innen oder außen sind.

Das Jig hat zwei Skalen, die sich beide auf die Materialstärke beziehen. An der Seite ist eine Einstellung für 12 mm, 19 mm, 27 mm und 38 mm Materialstärke. Man drückt den Knopf auf der Oberseite und löst damit die Arretierung. Danach kann man den Schlitten mit den Bohrerführungsbuchsen verschieben. Hat man eine deutlich andere Materialstärke, dann muss man die Einstellung auf die nächste Stufe abrunden.

Innenlöcher bei Eckverbindungen einstellen

Sind bei Eckverbindungen die Löcher innen, dann muss man die Einstellungen kleiner wählen.

Hier lauert schon die erste Stolperfalle. Wenn man die Taschenlöcher bei einer Eckverbindung mit der vorgegebenen Einstellung macht, dann kommt die Schraube zu nah ans Eck. Bei dem Brett im Test wäre eigentlich 19 mm die offizielle Einstellung. Aber 12 mm waren die richtige Einstellung für den Schlitten.

Die zweite Skala unterhalb des Jigs ist als Hilfe für die Einstellung des Tiefenanschlags gedacht. Allerdings wollte ich ein durchgebohrtes Loch für die Schraube selbst, weil sonst erfahrungsgemäß die Verbindung Gefahr läuft zu wandern (Außer die Schraube hat am oberen Ende eine glatte Stelle ohne Gewinde, die lang genug ist). Bei größeren Materialstärken würde ich das kleinere Zentralloch bis zum Rand mit einem zweiten Bohrer durchbohren.

Gegen Verrutschen sichern

Die Bohrführung muss auf jeden Fall mit einer Zwinge auf dem Werkstück befestigt werden. Andernfalls sorgen die großen Kräfte dafür, dass die Bohrführung nach rechts auswandert und der Bohrer die Werkstückoberfläche beschädigt.

Die Taschenlöcher

Ausriss an Taschenlöchern

Die Taschenlöcher reißen aus, da das Jig unten hohl ist.

Ein Preis dafür, dass das Jig verstellbar ist, sind die Hohlräume darunter. Zur Strafe gibt es heftigen Ausriss an den Taschenlöchern.

Deshalb wird die Verbindung auch dann nicht unsichtbar, wenn man sie hinterher mit Dübeln stopft.

Der Ausriss ist ärgerlich und vermutlich der größte Schwachpunkt der Vorrichtung.

Die Verbindung

Schrauben in Taschenlöchern

Nur die Schraubenköpfe sind in den Taschenlöchern noch zu sehen.

So sitzt die Schraube im Taschenloch

Die Schraube sitzt im Taschenloch. Bei Eckverbindung von innen bleibt nicht viel Spielraum.

Der Rest ist unspektakulär, solange man die Teile fest an einander presst, sie verrutschen sonst beim Schrauben. Allerdings sollte man die Einstellungen und die Schraubenlänge an einem Abfallstück ausprobieren. viel Spielraum für Fehler bleibt bei kleinen Materialstärken nicht.

Im Schnitt erkennt man, dass die Schraube gut gewählt ist um eine starke Verbindung zu erhalten. Allerdings ist zum Rand nicht mehr viel Spiel. Die Kante mit einem Abrundfräser zu bearbeiten, wäre in dem Fall keine sehr gute Idee.

Natürlich hätte man die Eckverbindung auch so machen können, dass die Schraube von außen kommt. Nur ist damit in den meisten Fällen das Taschenloch genau da, wo man es sieht. Das wäre widersinnig.

Die Verbindung selbst ist sehr stabil.

Fazit

Das Wolfcraft Undercover Jig ist leicht zu bedienen und die Taschenlochverbindung schnell hergestellt. Man erhält eine stabile Verbindung. Allerdings gibt es Abzüge für die mäßige Anleitung, die Stolperfallen bei innen gebohrten Eckverbindungen (der Verbindung, die man am häufigsten benötigt) und ganz besonders für den Ausriss am Bohrloch.

4 thoughts on “Test: Wolfcraft Undercover Jig

  1. Danke für diesen sehr guten und sachlichen Bericht. Die hier angeführten Schwachstellen habe ich genau so empfunden (insbesondere die schlechte Druckqualität der Anleitung; bislang habe ich auch keine Anleitung als PDF-Datei in guter Qualität im Internet gefunden).
    In irgend einem Blog (ich glaube beim Michael Hild) wurde die Idee ins Spiel gebracht, die Spax-Rückwandschrauben zu verwenden. Dies ist aus meiner Sicht (nach einem aller ersten Versuch mit dem Wolfcraft-Teil) mit Sicherheit sehr sinnvoll. Der Bohrdurchmesser bei Wolfkraft ist 9,5 mm; die Köpfe von Spax haben 9,8 mm – dies sollte eigentlich funktionieren.c

    • Hallo Andreas,

      die verbesserungswürdige Qualität der Anleitung hat mich um so mehr erstaunt, als das eigentlich leicht zu korrigieren wäre. Ich fürchte, da hat Wolfcraft an der falschen Stelle gespart.

      Was die Schrauben angeht, wären Flachköpfe aus meiner Sicht einen Test wert. Allerdings sind die in Deutschland eher untypisch und daher etwas teurer als Senkköpfe. Meine Vermutung (wäre noch experimentell zu beweisen) ist, dass die Flachköpfe eine weniger hohes Splitterrisiko bedeuten, weil sie nicht wie ein Keil wirken.

  2. Senkkopfschrauben sind so mit das Dümmste was man verwenden kann. Entweder die teuren Schrauben von Kreg oder wesentlich besser und billiger Rückwandschrauben oder Tellerkopfschrauben (gibt’s von Spax und anderen). Gibt es sogar im lokalen Baumarkt mit Torx Köpfen in allen benötigten Längen. Viel besser als der dämliche Kreuzschlitz.
    Die Stufenbohrer die in Hartholz und Multiplex ziemlich schnell stumpf werden besorgt man sich am Besten direkt an der Quelle: Aliexpress.com . Kosten nur mal >€5 incl Versand. Dauern aber bis zu vier Wochen und man darf nicht über €25 bestellen (Ware und Versand!) sonst zahlt man 19% USt.

  3. Vielen Dank, sehr hilfreiche Kritik! In Günter Hennings Publikationen zum Holzwerken wird das Ding nämlich in hohen Tönen gelobt. Vom Ausreißen der Borhrungen ist dort nicht die Rede, aber was hier beschrieben wird, klingt ja völlig nachvollziehbar.

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