Schubladen mit Rollauszügen selbst bauen

Schubladen zu bauen ist eine der Aufgaben, die sich für Hobbyschreiner mit Interesse am Möbelbau am häufigsten stellt. In diesem Projekt zeige ich euch eine einfache Möglichkeit Schubladen mit Rollauszügen selbst zu bauen und einzupassen.

Die hier vorgestellten Schubladen haben eine aufgedoppelte Front, das macht die exakte Ausrichtung leichter.

Schubladen bauen

Die Schublade ist so aufgebaut, dass sie seitlich zwei durchgehende Nuten besitzt, in denen Kugelrollauszüge eingepasst werden. Auf der Innenseite befindet sich eine umlaufende Nut, in die das Bodenbrett eingesetzt wird.

Auf der Abbildung unten sieht man den inneren Rahmen trocken zusammengestellt ohne Frontblende und Bodenplatte. An der Vorderkannte sind die Nuten für die Rollauszüge sichtbar.

Schublade trocken zusammengesetzt

So sieht der innere Kasten der Schublade aus, bevor er verleimt und mit der Frontplatte versehen wird.

Insgesamt besteht die Schublade aus sechs Teilen:

  1. Bodenbrett (6 mm bis 9  mm Schichtholz)
  2. Seitenbretter, die über die ganze Länge der Schublade gehen (15 mm bis 19  mm)
  3. Innere Front- und Stirnseite, Breite der Schublade abzüglich 2x Materialstärke
  4. Frontblende (18 mm bis 22 mm)

Die oben angegebenen Materialstärken sind nicht die einzig möglichen, ergeben aber stabile Schubladen, die optisch ansprechend sind. Die aufgesetzte Frontblende macht uns später das Leben beim Einpassen leichter.

Benötigtes Werkzeug:

  • Oberfräse mit Frästisch oder Schiene
  • Dübelschablone oder Flachdübelfräse
  • Bohrer
  • Zwingen
Schubladenfräsungen anzeichnen

Der Bauplan hilft, die Schubladen richtig anzuzeichnen

Wir starten damit, dass wir den Plan zur Hand nehmen und die Stellen anzeichnen, an die später die Fräsungen kommen.

Alle Abfallflächen werden vorab markiert wie die Lauffläche für den Rollauszug im Bild links. Ein Streichmaß ist dabei sehr nützlich, wenn auch auch nicht zwingend erforderlich. Da die exakte Einstellung durch Wiederholgenauigkeit mit der gleichen Einstellung beim Fräsen kommt, reicht es auch, die Abfallflächen mit dem Lineal auszumessen und zu markieren.

Nachdem beim Fräsen am meisten schief gehen kann, machen wir das zuerst. Gerade bei den durchgehenden Fräsungen wie hier für die Laufflächen lohnt es sich etwas Überstand an den Brettern zu lassen, dann kann man den letzten Zentimeter nach dem Fräsen abschneiden, denn der reißt gerne mal aus.

Hier wird der Fräserabstand für die Nuten eingestellt, in die später die Rollauszüge kommen.

Hier wird der Fräserabstand für die Nuten eingestellt, in die später die Rollauszüge kommen.

Fräseinstellungen an Abfallholz testen

Um böse Überaschungen zu vermeiden, sollten sie die Fräseinstellungen immer erst an einen Stück Abfallholz ausprobieren.

Bevor die Seitenteile ihre Nuten für die Rollauszüge erhalten, stellen wir den Abstand vom Fräser zum Parallelanschlag am Frästisch ein.

Wichtig ist, dass man alle Werkstücke jeweils mit einer festen Einstellung bearbeitet, bevor man die Einstellung ändert. Wiederholgenauigkeit ist der entscheidende Punkt für saubere Passung.

Sie sollten unbedingt ein Stück Abfallholz verwenden um die Fräseinstellungen zu kontrollieren, bevor sie an das eigentliche Werkstück gehen. Sind die Einstellungen falsch, haben Sie im Schlimmsten Fall einen Fehler in ein Stück Abfall geschnitten anstatt aus einem Werkstück ein Abfallstück zu produzieren. Das schont die Nerven.

Da die Nut für den Rollauszug sehr breit ist, kann man sie nicht in einem Zug schneiden. In unserem Beispiel soll ein 45 mm breiter Vollauszug 8 mm tief eingefräst werden.

Halten Sie sich bitte genau an den folgenden Ablauf. Die Reihenfolge verhindert insbesondere, dass Sie aus Versehen im Mitlauf fräsen und Ihnen das Werkstück aus der Hand gerissen wird.

  1. Fräser Abstand zum Parallelanschlag auf den kurzen Abstand von Nut und Kante einstellen. Im Beispiel 15 mm.
  2. Tiefe einstellen. Für den breiten breiten Fräser im Beispiel erstmal nur 5  mm, um die Belastung des Fräsers zu senken.
  3. Alle gleichartigen Werkstücke fräsen.
  4. Endtiefe einstellen. Hier 8 mm.
  5. Alle gleichartigen Werkstücke fräsen.
  6. Parallelanschlag um ca. 2/3 bis knapp eine Fräserbreite vom Fräser wegbewegen.
  7. Alle gleichartigen Werkstücke fräsen.
  8. Wiederholen bis Endbreite erreicht ist.

Für Schritt 6 reicht Augenmaß völlig aus. Denken Sie nur rechtzeitig daran, dass es wieder genauer zugeht, wenn sie das Endmaß der Nut erreichen.

Gleichartige Teile vorbereiten

Es lohnt sich, gleichartige Teile vorab zu sortieren und bereit zu legen.

Damit im Eifer des Gefechts die Nuten nicht an der falschen Stelle landen, sollten sie die Werkstücke sortieren und identisch orientiert ablegen.

Das Bild links zeigt eine Möglichkeit, bei der die Teile so liegen, dass man sie auf die gleiche Weise durch die Fräse schieben kann ohne sie zu drehen.

Bei durchgehenden Nuten lässt sich Ausriss auch dadurch verhindern, indem man die Bretter direkt hinter einander über den Tisch zieht. Dem letzten Brett schiebt man das erste noch einmal hinterher. Es macht nichts, dass dieses schon fertig gefräst ist. Der Druck an den übrig bleibenden Kanten schützt vor Ausriss.

Entfernen Sie alle Späne von der Oberseite der Tischfräse und drücken sie das Werkstück fest auf, sonst besteht die Gefahr, dass das Werkstück auf den Spänen aufschwimmt und die Nuten nicht tief genug geschnitten werden. Ein Andruckklotz verhindert, dass die Finger der Fräse zu nahe kommen.

Fäsungen für Boden und Rollaustzüge

Die Fräsungen für den Boden und die Rollauszüge.

Bei der 8 mm tiefen umlaufenden Fräsung für die Bodenplatte müssen Sie daran denken, dass sie die Fräsung an den Seitenwänden nicht komplett durchziehen dürfen, sonst ist später ein Spalt hinten an der Schublade sichtbar. Der vordere ist unproblematisch, da er von der Frontblende verdeckt wird. Am Rand ist die Ausrissgefahr hoch wie man im Bild rechts erkennen kann. Es bleibt nicht allzu viel Material übrig. Hier empfiehlt es sich wie gesagt, erst zu fräsen und dann das Werkstück auf das Endmaß zu bringen. Damit die Nuten nicht komplett durchgehen, muss man das Werkstück vorsichtig auf den Fräser senken, dann über den Fräser ziehen und hinten wieder anheben. Das erfordert ein bisschen Übung. Bleistiftstriche oder Klebestreifen auf der Tischplatte helfen ihnen dabei, das Brett nicht zu weit oder zu kurz zu bewegen. Üben Sie erst an einem Abfallholz, bis sie sicher genug sind.

Die Innenfront erhält jetzt noch vier Bohrungen plus Senkung. Hier werden später Senkkopfschrauben von außen unsichtbar die Frontblende fixieren.

Dübellöcher für Schubladenstirnseite

Hier wird die Stirnseite der inneren Front und Rückenteile mit Dübellöchern versehen

Zur Verbindung verwenden sie Rund- oder Flachdübel. Von der Stabilität her würde auch eine stumpfe Verleimung halten — ordentlichen Holzleim natürlich vorausgesetzt. Allerdings helfen Ihnen sauber gesetzte Dübel dabei, die Seitenteile passgenau zusammenzufügen.

Flachdübel haben den Vorteil, dass sie weniger Arbeit machen und sich in Längsrichtung ein klein wenig verschieben lassen. Wenn Sie also beide Varianten zur Auswahl haben, nehmen sie die Flachdübel.

Auf dem Bild links sieht man, das am Beispiel einer Dübelschablone (hier der Joint Genie). Wie bei allen Dübelschablonen ist ist wichtig zu wissen, wie man die Anschläge einstellt, besonders wenn man auf das Gegenwerkstück wechselt. Neben dem Studium der Gebrauchsanleitung empfiehlt sich auch hier Übung an einem Abfallstück.

Seitenteil mit Dübellöchern versehen

Beim Seitenteil kommen die Dübellöcher auf die Innenseite der kurzen Kante.

Die Innenfront- und Rückwand erhält die Dübellöcher auf der Stirnseite, die Seitenteile werden auf der Innenseite mit den passenden Gegenlöchern versehen.

Stellen sie die Schublade trocken zusammen und überprüfen sie Außenmaß, Rechtwinkligkeit und Passgenauigkeit der Bodenplatte. Sind die Fräsungen für die Bodenplatte zu flach, oder die Platte zu groß, haben sie später keine Chance die Schublade ohne Spalten zusammenzusetzen. Prüfen Sie das also lieber bevor sie mit der Verleimung ernst machen.

Schubladen montieren

Als nächstes montieren wir die Rollauszüge im Schrank. Am einfachsten geht das, wenn man den Schrank auf den Rücken legt. Zuerst markiert man die Unterkante des Auszugs im Schrank, legt einen Schlosserwinkel an die Markierung und fixiert ihn mit einer kleinen Zwinge. Dann legt man den Rollauszug gegen den Schlosserwinkel. Falls der Auszug nicht bis zur Rückwand des Schranks reichen soll, schneidet man sich einen kleinen Klotz als Auflage gegen die Rückwand.

Jetzt hebt man die breite Seite der Schiene gerade weit genug, damit das unterste runde Loch sichtbar wird. Dann entfernt man den Rollauszug, körnt die Mitte des Loches an und bohrt mit dem Kerndurchmesser der Holzschraube leicht vor. Anschließend legt man den Rollauszug wieder an und fixiert das unterste Loch mit einer Schraube.

Rollauszug innen markieren

Das innere Loch wird zuerst markiert.

Äußeres Loch markieren

Nachdem der Auszug innen fixiert wurde, werden die restlichen Löcher markiert

Jetzt kann man den Auszug herausziehen. Die Schraube sorgt dabei dafür, dass das innere Ende dort bleibt, wo es sein soll. Das äußere Ende liegt nach wie vor auf dem Schlosserwinkel auf. Jetzt kann man die anderen Löcher markieren. Dann kippt man den Rollauszug ein wenig zur Seite, körnt, bohrt vor und kann ihn anschließend wieder zurück kippen und mit den restlichen Schrauben fixieren. Die gleiche Prozedur wiederholt sich auf der gegenüberliegenden Seite.

Um die Schubladen einzubauen stellt man den Schrank am besten wieder aufrecht, schiebt die Schublade ohne Frontblende in die ausgefahrenen Auszüge und schraubt sie fest.

Schubladen mit Rollausüzgen ohne Blende

Schubladen mit Rollauszügen ohne Blende

So sehen die Schubladen aus, wenn sie eingebaut sind, ohne dass die Frontblende aufgesetzt ist.

Man erkennt die vorbereiteten Bohrungen für die finale Fixierung der Blenden. Da die Schrauben später unsichtbar sein sollen, werden sie von hinten angebracht. Damit das möglich wird, muss man einen Trick anwenden, um die Blenden auszurichten und provisorisch zu fixieren.

Der Trick ist dabei eigentlich ganz einfach, braucht jedoch mehrere Schritte in der richtigen Reihenfolge:

Schubladenblenden ausrichten

Schubladenblenden mit Blechen ausrichten und fixieren

  1. Schubladenblende provisorisch fixieren

    Die Griffschrauben, eine Beilagscheibe und eine Mutter halten die Blende.

    Blende aufsetzen

  2. Blende ausrichten
  3. Blende mit Zwingen am Korpus fixieren
  4. Grifflöcher bohren
    (hinterlegen um Ausriss zu verhindern!)
  5. Zwingen entfernen
  6. Schublade öffnen
  7. Griffschrauben durchstecken
  8. Schublade schließen
  9. Blende aufsetzen
  10. Blende ausrichten
  11. Mit Beilagscheiben und Muttern fixieren.
  12. Schublade öffnen
  13. Finale Fixierschrauben von hinten eindrehen
  14. Griff montieren

Leichter geht das Ganze, wenn man ein zweites Paar Hände zur Hilfe hat. Dann kann man sich die Zwingen sparen.

Um gleichmäßige Abstände zu erreichen kann man zum Beispiel Bleche verwenden, wie im Bild oben gezeigt.

Vor- und Nachteile dieser Konstruktion

Der Vorteil mit den Blenden liegt klar auf der Hand. Die Blenden können leicht nachträglich ausgerichtet werden. Selbst dann wenn die Schublade nicht exakt auf den Zehntelmillimeter sitzt, sieht das Ergebnis dank der Blende einwandfrei aus. Außerdem lassen sich die Blenden einfach austauschen, sollten sie sich abnutzen.

Nachteilig ist das höhere Gewicht der Schublade, höhere Materialkosten und ein klein wenig Platzverlust im Innenraum der Schulblade.

4 thoughts on “Schubladen mit Rollauszügen selbst bauen

  1. Hallo, Sebastian
    Ich habe den Schuhschrank ja schon gesehen und Dir Deine Exatheit beim Schreinern bestätigt. Die Berschreibung über die Herstellung ist gut und für mich als Laien verständlich.
    Prima
    Dein Papa

  2. Ich kann mir den Schritt “Blende mit Zwingen am Korpus fixieren” nicht vorstellen. Also wie das gehen soll. Ein Foto davon wäre hilfreich.

    • Hallo Stefan, leider habe ich gerade kein Foto davon greifbar. Wenn ich den nächsten Schubladenkasten baue, dann denke ich daran. Bis dahin versuche ich er zu beschreiben:

      Nach dem Ausrichten befestigst du provisorisch die Frontplatte mit einer langen Zwinge nach hinten am Schrank. Das geht am leichtesten bei Schubladen, die du von beiden Seiten erreichst – zum Beispiel bei einem Rollcontainer für einen Schreibtisch. Zeigt eine Seite nach innen, dann wird es schwierig. Da hilf dann eine zweite Person, die mal kurzzeitig gegen die Front drückt. Oder aber man legt das Werkstück auf den Rücken und beschwert die Front.

      Alternativ geht auch gutes doppelseitiges Klebeband zwischen Front und Schublade. Allerdings sollte man eines wählen, dass entweder später nicht aufträgt oder leicht wieder weg gemacht werden kann.

      • Ah, danke. Ich kannte “Korpus” nur als Begriff für das “Schrankgehäuse” und habe mir vorgestellt, wie du da Zwingen vertikal anbringst :-). Außerdem hatte ich dein Foto zum Schubladenblenden ausrichten im Kopf, was daneben gezeigt ist. Da sind ja alle Blenden drauf und kaum Platz für Zwingen. Danke für die weiteren Tipps, wobei ich mir vorstelle, dass beim Legen auf den Rücken
        die Schublade sich leicht in Richtung Schrankdecke bewegt, weil sie nicht mehr durch die Schwerkraft Richtung Schrankboden gezogen wird. Wobei ich auch solche Kugellagerschienen habe und sie recht wenig Spiel haben. Mal sehen. Heute wird der Schrankkorpus fertig und dann schaffe ich hoffentlich noch die Schubladen.

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