Test: Bosch PDB 40

Nach 15 Jahren, die sie mir treu gedient hat, habe ich meine alte Mannesmann 12 51 Tischbohrmaschine durch eine Bosch PDB 40 ersetzt.

Mannesmann 1251

Mannesmann 1251, hässlich wie die Nacht finster, aber eine Maschine, die mich in 15 Jahren nie im Stich gelassen hat.

Die Bosch PDB 40 weicht vom Konstruktionsprinzip her von der gewohnten Bauart üblicher Tischbohrmaschinen ab. Tatsächlich bewegt sich der komplette Maschinenkörper an der Säule nach oben und nach unten, was eher an einen Bohrständer als an eine Standbohrmaschine erinnert. Ob das langfristig für die Präzision schädlich ist, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich habe geplant, diesen Artikel zu aktualisieren, wenn ich länger mit der Maschine gearbeitet habe.

Vorteil dieser Bauweise ist jedoch, dass sich leicht ein großer Bohrhub realisieren lässt. So bietet die Bosch mit 9 cm fast doppelt soviel Hub wie die etwa gleichgroße Mannesmann-Maschine. Nachdem ich mich bei der alten Maschine immer geärgert habe, dass ich mit der Hand nach bohren muss, ist das eine erfreuliche Verbesserung. Auch der Abstand zwischen Säule und Bohrer ist mit 12 cm um 2 cm größer. Immer noch nicht üppig, aber guter Standard für eine Maschine, die in meine kleine Werkstatt passt.

Nach dem Auspacken fällt als erstes die blank gefräste Alu-Bodenplatte auf. Sie ist bei meinem Exemplar perfekt plan und macht einen stabilen Eindruck, auch wenn sie im Vergleich zum gusseisernen Fuß meiner alten Maschine sehr leicht ist. Die Bodenplatte ist so blank, dass darauf fallendes Licht stark reflektiert wird. Es ist noch nicht so schlimm, dass es blendet, fällt aber unangenehm auf.

Fußplatte der Bosch PDB 40

Die gefräste Fußplatte

Die Säule muss man selbst auf der Platte montieren. Sie wird mit einer Madenschraube fixiert. Eine kurze Kontrolle zeigt, dass die Säule sauber im rechten Winkel steht.

2013_Bosch_PDB_40_8

Da die Säule vor dem Fixieren ein bisschen Spiel für eine Links- und Rechtsdrehung hat, muss man die Maschine über der Bodenplatte ausrichten. Ein 20mm Forstnerbohrer passte stramm in das Loch in der Bodenplatte, also habe ich den Bohrer in der ausgeschalteten Maschine kurzerhand als Zentrierdorn verwendet. Das hat einwandfrei funktioniert.

Wichtig ist, dass man beim Zusammenbau die Klemmvorrichtung an der Säule nicht vergisst. Diese Klemmvorrichtung presst das Werkstück von oben auf die Grundplatte. Das ist ein ganz klarer Komfortgewinn gegenüber der alten Maschine, die so etwas nicht hatte.

Klemmvorrichtung an der PDB 40

Diese Klemmvorrichtung drückt das Werkstück von der Säule aus nach unten. Sehr praktisch, da man dadurch auf Klemmvorrichtungen am Tisch oft verzichten kann.

Den Generationsunterschied (und auch den Unterschied im Preis) spürt man an den Komfortfunktionen. Da wäre zum Beispiel das Schnellspannbohrfutter, mit seinem zusätzlichen roten Veriegelungsring. Das kannte ich so vorher noch nicht, alle anderen Schnellspannbohrfutter drehte man einfach nur zu. Allerdings macht das Futter einen sehr guten Eindruck.

Schnellspannbohrfutter der PDB 40

Das Schnellspannbohrfutter der PDB40 hat einen separaten Verriegelungsring (rot).

 

Das Bohrfutter nimmt erst Bohrer ab 1,5mm auf. Ich persönlich habe noch nie kleinere gebraucht, für Modellbauer kann das aber ein Handycap sein.

Die eingebaute Werkstückbeleuchtung ist nicht besonders imposant.

Eingebaute Werkstückbeleuchtung an der PDB 40

Die eingebaute Werkstückbeleuchtung an der PDB 40 könnte ruhig etwas stärker sein.

 

Besser gefällt da schon der Laser. Für einfache Zielaufgaben ist er durchaus in Ordnung. Meiner ist in einer der beiden Achsen etwa um einen Drittelmillimeter daneben.

Laserzielkreuz der PDB 40

Wenn man ganz genau hinsieht, dann erkennt man, dass der Abdruck der Bohrerzentrierspitze in einer der beiden Laserachsen um etwa einen drittel Millimeter daneben liegt. Nicht katastrophal, aber eben auch keine Hochpräzision.

 

Der eigentliche Hub wird über das Drehrad an der Seite erledigt. Ein Schnellspanner für die Federmechanik bestimmt, ob die Maschine und die Feder oder nur die Maschine sich bewegen. An der Feder hat die Maschine satte 9 cm Hub. Nicht schlecht für eine Tischbohrmaschine.

Die Seitenansicht der linken Seite der PDB 40

Auf der linken Seite sind die Schnellspannhebel für Tiefenanschlag und Federträgerfixierung. Außerdem eine Drehzahltabelle für Alu und Stahl.

Um die Bohrtiefe einzustellen, öffnet man die Veriegelung des Tiefenanschlags, senkt den Bohrer (bei Metallbohrern) oder die Schneide bei Holzbohrern mit Zentrierspitze auf das Werkstück ab und drückt auf die Taste für die Nullung.

Nullung für die Tiefenanzeige

Die Tiefenanzeige kann man über eine Taste auf Null stellen.

 

Dann nimmt man das Werkstück weg und dreht das Handrad solange nach unten, bis auf er Anzeige die gewünschte Bohrtiefe eingestellt ist. Dann fixiert man den Tiefenanschlag.

Tiefe einstellen an der PDB 40

Die Tiefe stellt man über Handrad und Tiefenanzeige ein.

 

Das die Kontrolle der Tiefe mit der Schieblehre hat mich erstaunt. Das Ergebnis ist schon fast gruselig genau für eine Hobbymaschine. Ein Zehntel daneben reicht für Holzarbeiten allemal.

Die kontrollerierte Tiefe liegt um gerade mal ein Zehntel daneben

Die kontrollerierte Tiefe liegt um gerade mal ein Zehntel daneben.

 

Der Schalter auf der Frontseite hat vier Positionen: Aus, Elektronik an, Bohrer an und Notaus. Für Notaus drückt man den Schalter gegen das Gerät. Man muss ihn dann erst ganz nach links drehen um das Gerät wieder zum Leben zu erwecken.

Nachdem der Schalter mechanisch nach rechts auf “Bohren” gedreht wird, war ich neugierig, was passiert, wenn der Strom ausfällt und zog den Stecker. Die Bosch gab sich keine Blöße und stand weiterhin still als ich den Stecker wieder in die Steckdose steckte. Auch hier musste ich den Schalter erst wieder in die “Aus”-Position bringen.

Als Zubehör liefert Bosch noch einen verstellbaren Seitenanschlag mit. Sowas ist sehr praktisch wenn man Lochreihen bohren muss. Zusammen mit dem Laser geht das ganz fix.

Seitenanschlag der PDB 40

Mit dem Seitenanschlag lassen sich leicht Lochreihen bohren.

Einen Haken hat die Sache aber: der Anschlag ist so hoch dass man ihn bei üblichen Holzstärken von hinten nicht gleichzeitig mit der Klemmvorrichtung verwenden kann. Das ist aus meiner Sicht eine Schwachstelle.

Bleibt noch der 750 Watt Motor zu erwähnen, den ich bei Gelegenheit noch mit einem großen Forstnerbohrer zu quälen gedenke. Da werde ich dann vermutlich auch mal den auf der rechten Seite befindlichen Getriebeschalter in den ersten Gang schalten.

Die Maschine ist für meinen Geschmack ziemlich laut. Nicht Oberfräsen-laut aber dagegen war meine alte Riemenantriebmaschine ein schnurrendes Kätzchen.

Was jetzt bereits feststeht ist, dass die Maschine deutlich schwerer sauber zu machen ist als meine alte 1251. Das Plastik ist rau und hat viele Öffnungen und Kanten.

Über Haltbarkeit und Langzeitpräzision der Bosch kann ich im Moment noch nichts aussagen. Ob sich der stattliche Anschaffungspreis langfristig lohnt und ob vielleicht noch Schwächen lauern, die dem Ständerprinzip geschuldet sind, werde ich nachtragen.

Pro

  • Schnelle, präzise Tiefeneinstellung
  • Elektronische Drehzahlregelung
  • 9 cm Bohrhub
  • Keine Ausladung nach hinten
  • Schnellspannbohrfutter
  • Integrierte Spannvorrichtung

Contra

  • Zieht Schmutz an
  • Laut
  • Seitenanschlag kann bei üblichen Holzstärken nicht zusammen mit Spannvorrichtung verwendet werden
  • Bohrfutter kann keine Bohrer unterhalb 1,5mm spannen

8 thoughts on “Test: Bosch PDB 40

  1. Pingback: Angetestet: Bosch PDB 40 | Hobby-Holzwürmer

  2. Danke für den informativen Test.
    Die Spannvorrichtung kannst Du aber mit dem Seitenanschlag zusammen verwenden, wenn Du eine 18er-Multiplex-Platte drunter legst. Oder irre ich da?

    Schöne Grüße
    Jens

    • Hallo Jens,

      theoretisch lässt sich der Anschlag dadurch verwenden, dass man das Werkstück durch eine Unterlage näher an den Niederhalter bringt. Der Seitenanschlag darf dabei nur ein kleines bisschen über den Seitenanschlag herausragen, so dass die Dicke des Werkstücks zusammen mit der Dicke der Unterlage höher ist als der Seitenanschlag. Das ist allerdings nicht besonders komfortabel. In solchen Fällen empfehle ich eher einen selbst gebauten Aufsatz. Im Buch “Werkstatthilfen selber bauen” von Sandor Nagyszalanczy (ISBN: 9783866309487) gibt es interessante Vorrichtungen auf für Standbohrmaschinen.

      Und da wir ja die “Hobbyholzwürmer” heißen: es geht nichts über eine individuell gebaute Lösung.

      Schönen Gruß,
      Sebastian

  3. Danke fuer den test. Mich wuerde noch interessieren wie das fazit jetzt nach fast genau einem jahr aussieht? Ich bin naemlich grade am ueberlegen die maschine anzuschaffen, schwanke aber zwischen dieser, und einer Guede GTB 18.

    • Ich bin nach wie vor mit der Maschine sehr zufrieden. Mittlerweile musste sie mehrfach sehr große Lochsägen und Forstnerbohrer antreiben und ist zwischen drei Werkstätten hin und hergeschleift worden. Bisher habe ich keine Beanstandungen.
      Da sie derzeit in meiner winzigen Kellerwerkstatt steht, bin ich sehr froh darum, dass sie nach hinten nicht auslädt. Das dürfte allerdings für die meisten kein Kaufkriterium sein.

      Einziger wirklicher Kritikpunkt nach wie vor: sie ist verglichen mit meiner alten Riemenantriebsmaschine wirklich unangenehm laut. Bei längerem Arbeiten trage ich Gehörschutz.

      • Beim arbeiten trage ich meist eh einen gehoerschutz, bin da etwas empfindlich ;-) Der rest hoert sich ja vielversprechend an.

        Danke nochmal fuer die info & frohe weihnachten.

  4. Hallo, bin jetzt auch auf die PDB 40 gestoßen und würde mich über Dein Fazit nach nunmehr fast drei Jahren interessieren?
    VG Hannes

    • Hi Hannes,

      ich bin nach wie vor damit zufrieden. Sie ist definitiv schneller eingestellt als eine Maschine, bei der man einen Keilriemen umlegen muss und sie spart Platz in einer kleinen Werkstatt.

      Wenn jemand hauptsächlich und oft mit Metall arbeitet, würde ich empfehlen, mehr Geld in die Hand zu nehmen und eine schwere, massive Maschine anzuschaffen, vorzugsweise eine mit Auffangbecken für Bohrflüssigkeit.

      Für Holz hat mich die PDB 40 bisher nie enttäuscht. Meine Kritikpunkte haben sich seit dem ersten Test nicht geändert. Falls Bosch mal eine blaue Variante bauen sollte, erwarte ich justierbare Laser.

      Schönen Gruß,
      Sebastian

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